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blauverschiebung NO1 [mehr]
Das Performance Festival "Blauverschiebung", das erste Festival dieser Art im gesamten Mitteldeutschen Raum, wird sich in seiner diesjährigen Durchführung dem Faktor Raum im Ausdrucksmittel der Performance widmen. Raum wird dabei durch die urbane Gestaltung und Architektur der Stadt Leipzig definiert und durch die Körperpräsenz der Performance subjektiv aufgeladen.

festival: 25.04. - 27.04.08

orte: passagekino, naTo, Moritzbastei, galerie Born+Busse, Feinkost, innenstadt, museum der bildenden künste, galerie KUB

Kuratoren: Christian Liefke und Franziska Eißner / Leipzig

Ilka Theurich (Hannover)

Ilka Theurich erforscht in ihren Performances die Welt des konkreten Erlebens. Sie bietet dem Betrachter einen Bilderreichtum von Tatsachen eigentümlichster Art an und fordert Ihn damit auf, seine eigenen Wahrheiten zu erfahren und zu finden.
Gleichzeitig lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass man das umfassende Panorama des früheren und gegenwärtigen Lebens eines Menschen häufig in den kleinen Verhaltensweisen und mentalen Akten wahrnehmen kann.
Die in der Gegenwart erlebte Erfahrung zwischen PerformerIn und BetrachterIn bezeichnet sie selbst als "labile Zwischenexistenz". In diesem Begegnungsmoment verbinden sich, im günstigsten Falle, Ihre sinnlichen und geistigen Objekte, die ihr Herz und ihre Leidenschaft in eine unaufhörliche Bewegung setzten, mit den Gedanken und Gefühlen des Betrachters. Ihre Arbeiten sollen verführen und in die Irre leiten, damit Zwischenräume entstehen können. Zwischen dem Gesagten und dem Gezeigten wird der Betrachter auf sich selbst zurückgeworfen.
In ihrer Performance "Die Hintergrundlandschaft vom Kopf" lässt sie sich direkt auf Bilder ein, die in diesem Moment im Kopf entstehen und wechselt zu neuen Bildern, wenn diese die vorherigen Bilder im Kopf verdrängen und ablösen. Indem man die von ihr angebotene Welt in dieser Realitätsdimension betrachtet, verändert sich das, was sichtbar ist, und damit kann sich beim Betrachter zugleich auch eine Grundvorstellungen von dieser Welt verändern.

 
judith huber (schweiz)
"changeable" ist ein Gebilde, ein Wesen, ein Ding, das sich entfaltet und faltet, ein wesendes Wesen, etwas zwischen Wesen und Skulptur. Es bewegt sich langsam fort und pausiert immer wieder. Durch die langsame Fortbewegung entlang von Mauern, über Randsteine, Wiesen und Wege oder durch Innenräume wird dem Betrachter/ der Betrachterin die Umgebung bewusst gemacht. Was für eine Materialität hat die Wand, der Boden, der architektonische Außen -- oder Innenraum an sich, durch den ich mich täglich bewege. Die Architektur und die Umgebung werden zum Widerstand und gleichzeitig zur Ergänzung, zum Mitakteure der Performance. Dieser Prozess der Wahrnehmung von visuell omnipräsenten -- und paradoxerweise deshalb nicht mehr wahrgenommenen -- Architekturelementen kann im Publikum eine Emotionalisierung der Architektur auslösen, hervorgerufen durch intensive Beschäftigung mit dem bespielten Ort.
Durch diesen subtilen Eingriff in eine Atmosphäre möchte Judith Huber mit der Arbeit "changeable" die Architektur, den Raum, die Umgebung sichtbarer und erlebbar machen.
 

Irene Maag (Basel)

Mit unterschiedlich langen Dachlatten erfindet Irene Maag immer neue labile Konstruktionen. Zwischendurch krachen die Latten lärmend auf den Boden. Mal stehen die Latten für sich alleine an die Hausmauer angelehnt, mal ist sie selber Teil des Bauwerks. Das Thema des Performance Festivals "Blauverschiebung" widmet sich der Frage nach den psychischen und physischen Wechselwirkungen von Architektur und Mensch. In einer von Architektur dominierenden Landschaft muss der Mensch seine emotionale aufgeladenen Nischen finden, um seiner Subjektivität Ausdruck zu verleihen. Eine notwenige Überlebensstrategie, um sich in einer zunehmend anonymisierten und typisierten Umwelt zu behaupten. Irene Maag versteht dies in Ihrer Performance "under construction" mit profanen Mitteln zu visualisieren. Die Dauer der Performance ist dabei von großer Bedeutung, sie signalisiert zum Einen den mühevollen Prozess dieser einzugehenden Verbindung, zum Anderen zeigt sie die verschiedenen Möglichkeiten auf, Teil, Herr, Untertan dieser konstruierten, architektonischen Welt zu werden.
Die Performance wird schon bestehende Architektur -- eine Hauswand, ein Fußweg -- mit einbeziehen, sie wird zugleich Hindernis, als auch gesellschaftliches Ereignis sein, Ärgernis und Chance auf Kommunikation.

 
Monika Ortmann (Bochum)
Eine Installation aus Strumpfhosen und Kokosnüssen die zur Visualisierung allgemeiner Verstrickungen und Bewegungen in Netzstrukturen dient. So entstehen innerhalb der Arbeit auch Netze und Strukturen, die sich mit Hierarchien und Ausbeutungsszenarien durch übergeordnete Systeme auseinandersetzen und Fragen nach der persönlichen Verortung in diesem Zusammenhang stellt.

Beteiligte Künstler:

Monika Ortmann (Musikerin, Performerin)
Anna Ortmann(Schauspielerin, Tänzerin)
Bert Esdohr (Schauspieler, Performer)
Michael Merkt(Musiker)

 
 

Frauke Frech (Genf, Kiel)

Die Künstlerin Frauke Frech wird mit einem Notebook auftreten. Das Publikum kann beobachten, wie innig diese Zweierbeziehung sich entwickelt, in dem das Notebook als Partner, als Geliebter fungiert. Überspitzt wird dieses Abhängigkeitsverhältnis zwischen Mensch und Maschine offenbart.
Eine Webcam, die im Notebook installiert ist, wird diese Beziehung filmen und dem Publikum als zweiten Einblick präsentiert. Diese zweite visuelle Ebene bringt zum Vorschein, was sonst im Verborgenen statt findet. Gescheiterte soziale Kommunikation, Einsamkeit, Isolation. Einer Lächerlichkeit preisgegeben, wird in dieser Performance pointiert aufgezeigt, wer in dieser Beziehung in eine gespenstische Abhängigkeit gerät, der Mensch, der seine Gefühlen nur noch als output durch ein mechanisches Gegenstück kanalisieren kann.

 

Moritz Fingerhut (Köln)
Dass Performances in unserem sozialen und kulturellen Alltag mindestens ebenso häufig anzutreffen sind wie in Galerien oder auf Theaterbühnen, ist mittlerweile zum Gemeinplatz geworden. Nicht nur widmen sich seit etwa einem halben Jahrhundert die Sozial- und Kulturwissenschaften den vielfältigen Performances, mit denen wir unsere gesellschaftlichen Praktiken, ihre Ursprünge und Verwandlungen darstellen und reflektieren.
Auch die Performance von Moritz Fingerhut mit der Scherenschnitt Galerie widmet sich dieser Themata. Auf einer ersten Ebene sichtbar, in dem er mit Kreide -- einem Vergänglichem Material -- die Konturen einer Galerie exakt nachzeichnet. Der sonst für Kunstwerke prädestinierte Ort in Räumlichkeiten einer Galerie wird umgekehrt, wenn er das Gebäude an sich als Sujet erwählt und dieses nach Außen interpretiert.
Auf einer zweiten Ebene geht es um ein bestimmtes Publikum und dessen Einnahme von der Rolle eines Kunstpublikums. Wer kann diese Rolle überzeugend einnehmen, sich heimisch im Kunstbetrieb fühlen und wer muss draußen bleiben -- normalerweise der Künstler nicht.
Die Finissage der Galerie Born+Busse ab 20 Uhr gibt den entscheidenden Rahmen zu dieser Performance.

 

 

Marina Linares (Köln)

Marina Linares inszeniert im Rahmen ihrer Performance eine Rauminstallation mit meterlangen Malerei-Bahnen bemalten Raumteilen, die den Raum teilen, begrenzen, gestalten. Die Aktion macht die Ambivalenz von Grenzen fühlbar, indem die mobilen Wände die Menschen schützend vereinen, aber auch Einzelne trennen, isolieren.
Beide Aspekte werden in lyrischen Textpassagen, untermalt mit Klängen und Sounds elektronischer Aufnahmen und von der Künstlerin live gespielten akustischen Instrumenten gespiegelt, so dass sich abstrakter Raum im Zusammenspiel von Malerei, Performance, Lyrik & Klang sinnlich konkretisiert.

 

Stefan Hauberg (Hamburg)

Der Körper wird den Naturgewalten, hier der Sonne, ganz und gar überlassen. Der Anfang wird von dem Protagonisten gelegt, das daran anschließende Geschehen entzieht sich seiner Macht, der Ausgang ist unweigerlich der Fall -- im wahren Sinne des Wortes.

 

Hiwa K. (Mainz)

Der gebürtige Iraker Hiwa K. ist sowohl in der Videoperformance, als auch Performance Art tätig. Das Experiment mit seinem eigenen Körper, in Bezug auf Andere und auf seine Umwelt im Mittelpunkt. Dabei ergründet Hiwa K. diese Bezugspunkte gleich einem Forscher, der in absurden Experimenten, vielleicht genauso absurde Ergebnisse erhält. Das Absurde lässt den Betrachter nicht nur Schmunzeln, sondern regt zum Nachdenken an. Die tragische Komponente wird dabei geschickt in das Groteske eingewoben.

 

Elle Friis(Berlin)

Ellen Friis wird einen Lichtstrahl von einem erhöhten Punkt in die unendlichen Weiten des Weltalls schicken. Der Strahl imaginiert bewusst eine skulpturale Form. Diese Lichtsäule wird ab dem performativen Akt -- wobei die Performance an sich symbolisch für den klaren und begrenzten Rahmen auf der Zeitachse steht - für alle Ewigkeit im Weltall schweben und so einen ironischen Kontrapunkt zu dem Zeitaspekt der Performance bilden. Endlichkeit und Unendlichkeit existieren durch den Akt der Performance, in der Skulptur des Strahl "materialisiert", zusammen im Augenblick.

 
Marina Belobrovaja (Zürich)
Emma Nilsson (London)
Nicolas Häberli (Zürich)
 


Alex Meszmer (Phyn)
Reto Müller (Phyn)
Matthias Kuhn (St. Gallen)

Dieser performative Vorträge wird die menschliche Physis sezieren, die menschliche Psyche erforschen und menschliche Strategien in den weiten des sozialen Lebens zu deuten suchen. Damit führt der letzte Teil ihrer Triologie, aufgeführt im Rahmen der Dokumenta XII, nach ausgedehnten Reisen durch die Welt und die Galaxis ganz zum Menschen zurück. Der Vortrag führt eine Vielzahl von Werken der Literatur- und Filmgeschichte zusammen, spielt Songs der Popgeschichte an und versucht nichts weniger, als alles zu einem feinen Geflecht zusammenzubringen. Dabei trifft der heilige Gral ganz selbstverständlich auf Heinz von Förster und Hildegard von Bingen auf Thomas Bernhard ... und so führt der Vortrag das Publikum am Schluss auch folgerichtig wieder an den Anfang zurück, ins Paradies und damit selbstverständlich zu den Fragen nach dem Glück und dem Sinn des Lebens.

 
Angelica Schubert (Köln)

Zeit an sich ist für die Performance-Künstlerin und Sängerin eines der wichtigsten Elemente ihrer Arbeit: jede Dokumentation kann hier nur Relikt der eigentlichen Kunst sein, die am Ende "nur" als Erinnerung von Publikum und Akteuren - und auch des Ortes - bestehen bleibt. Die Auseinandersetzung mit Zeit und Raum ist zentrale Thematik dieser Projekt-Reihe, z.B. die durch Langsamkeit erweiterte Zeit oder die Suche nach einer Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Orte wie ein ultralangsames Echo ihre Geschichte wieder spiegeln.
 

 

Wir danken allen Unterstützern.